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Meerschweinchen als Therapietiere

Auch bei Einsatz von Meerschweinchen in der tiergestützten Arbeit ist es von großer Bedeutung, dass nur gesunde, optimal gehaltene Tiere zum Einsatz kommen, die sich von Charakter und Ausbildung her für tiergestützte Einsätze eignen. Wenn Sie die Haltung und den Einsatz von diesen Tieren erwägen, informieren sie sich über Haltung und Habituation bevor sie einigen Meerschweinchen ein Heim bieten. Denn die Gewöhnung an den Menschen und eine entsprechende Habituation ist daher auch für alle Meerschweinchen unbedingt notwendig, die im tiergestützten Bereich eingesetzt werden sollen. Es besteht auch die Möglichkeit Fachkräfte für die tiergestützte Arbeit mit Meerschweinchen einzuladen und zu betrauen.

Haltung und Pflege von Meerschweinchen

Meerschweinchen sind Nagetiere mit einer Lebenserwartung von etwa 5 bis 8 Jahren. Sie sind sehr soziale Tiere und müssen mindestens zu zweit gehalten werden. Es ist sowohl die Haltung von zwei Weibchen, von zwei Männchen (auch unkastriert) oder von einem Pärchen (in diesem Fall mit einem kastrierten Männchen!) möglich als auch die Haltung von größeren Weibchengruppen oder gemischtgeschlechtlichen Gruppen mit einem kastrierten Bock und zwei bis fünf Weibchen.

Meerschweinchen brauchen viel Platz und daher einen ausreichend großen Käfig oder Eigenbau. Zwei Tiere sind auf einer Grundfläche von einem Quadratmeter gut untergebracht, größere Gruppen brauchen entsprechend mehr Platz. Zusätzlich sollte man ihnen Freilauf im Zimmer ermöglichen. Außerdem sollte der Käfig oder das Gehege so platziert sein, dass die Tiere "Familienanschluss" haben.

Meerschweinchen sind reine Pflanzenfresser. Ihre Grundnahrungsmittel ist Heu, das ständig zur Verfügung stehen muss. Meerschweinchen nehmen über den Tag verteilt viele kleine Futterportionen zu sich. Der laufende Heukonsum ist sowohl für das Verdauungssystem als auch für den Abrieb der Zähne notwendig, die ein Meerschweinchenleben lang nachwachsen. Zusätzlich zum Heu brauchen die Tiere frisches Saftfutter, um ihren Vitamin- und Mineralstoffbedarf zu decken. Geeignet sich verschiedene Gemüsesorten, wie zum Beispiel Salatgurken, Gemüsepaprika, verschiedene Salatsorten, Fenchel, Obst in kleinen Mengen, zum Beispiele Äpfel, und Kräuter, wie Petersilie oder Dille ebenfalls in kleinen Mengen. Kraftfutter kann in kleinen Mengen verfüttert werden, maximal einen Esslöffel pro Tag, und sollte immer nur ein sehr kleinen Anteil an der täglichen Futterration ausmachen. Zusätzlich brauchen Meerschweinchen natürlich immer Zugang zu Trinkwasser.

Meerschweinchen werden sehr zutraulich, wenn man sich viel mit ihnen beschäftigt. Sie sind allerdings scheue Fluchttiere und manche legen ihre angeborene Ängstlichkeit erst nach einiger Zeit und viel geduldiger Zuwendung ab. Nachdem Meerschweinchen einen relativ zarten Knochenbau besitzen, sind sie für kleine Kinder nur unter Aufsicht von Erwachsenen geeignet. Kinder ab etwa 6 bis 8 Jahren finden in Meerschweinchen aber oft vergnügte Hausgenossen - vorausgesetzt sie berücksichtigen die ängstliche Natur der kleinen Nager und ihr Bedürfnis nach Ruhepausen.

Verhaltensmodifikation bei Meerschweinchen

Meerschweinchen sind im Allgemeinen recht friedliche Tiere, die immer einen Unterschlupf benötigen, um sich sicher zu fühlen. Sie sind von Natur aus neugierig und unternehmungslustig, wenn sie artgerecht gehalten werden. Unter schlechten Haltungsbedingungen können allerdings auch Meerschweinchen zu "Problemtieren" werden, häufig unbemerkt vom Halter.

Übertriebene Ängstlichkeit
Meerschweinchen, die nur schlechte oder zu wenige Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, können leicht Verhaltensprobleme an den Tag legen. Sie können sich nie sicher fühlen und stehen dauernd unter Stress. Alles in ihrer Umwelt bereitet ihnen Angst. Das kann dazu führen, dass sich die Tiere vollkommen in sich zurückziehen und auf jeden Versuch einer Kontaktaufnahme entweder mit Flucht oder mit Erstarren reagieren.

Verhaltensprobleme durch Einzelhaltung
Meerschweinchen, die allein gehalten werden, versuchen sich meistens dem Menschen oder anderen Tieren, zum Beispiel Kaninchen, als "Sozialpartner" anzuschließen. Sie versuchen so ihr Grundbedürfnis nach Gesellschaft irgendwie zu befriedigen. Wird ein Meerschweinchen allein in einem Käfig gehalten und bietet ihm der Halter einiges an Zuspruch, wird das Meerschweinchen zwar meist sehr zutraulich, es ist aber in seinem Grundbedürfnis nach Gesellschaft auch vollkommen vom Menschen abhängig. Häufig entwickelt es Verhaltensstörungen, wie zum Beispiel Bissigkeit, indem es meerschweinchentypisches Verhalten dem Menschen gegenüber zeigt. Meerschweinchen, die lange allein gehalten wurden, verlernen manchmal sogar die Fähigkeit, sich mit anderen Meerschweinchen zu verständigen, und können nur schwierig vergesellschaftet werden.

Bissige Meerschweinchen
Meerschweinchen sind im Allgemeinen keine Tiere, die dem Menschen irgendwelchen Schaden zufügen können. Allerdings können sie auch kräftig zubeißen. Die immer wieder heraufbeschworene Beißhemmung des Meerschweinchens dem Menschen gegenüber existiert nicht! Beißen gehört zum normalen Verhaltensrepertoire des Meerschweinchens und wird häufig innerhalb der Gruppe gezeigt. Normalerweise sind die Tiere allerdings durch ihr dichtes Fell gut vor Verletzungen geschützt. Der Mensch hat allerdings kein schützendes Fell. Daher können Meerschweinchen beim Menschen durchaus Kratzer und blutende Wunden hervorrufen. Die wichtigsten Gründe für Bissigkeit bei Meerschweinchen sind Einzelhaltung und unsachgemäßes Handling der Tiere. Meerschweinchen können auch ordentlich zubeißen, wenn sie in Panik geraten. Und manche Meerschweinchen beißen einfach gerne - häufig unterstützt durch die falsche Reaktion des Halters bei den ersten Beißvorfällen.

Was kann man tun?
Verhaltensmodifikation bei Meerschweinchen beruht auf den Grundlagen des Trainings mit positiver Verstärkung. Der Grundstein ist der Aufbau einer Vertrauensbeziehung zwischen Halter und Meerschweinchen. Das Umfeld des Tieres wird so verändert, dass es sich möglichst sicher fühlen kann - mindestens ein Artgenosse ist auch ein wichtiger Beitrag dazu.

Nähere Informationen zur Verhaltensmodifikation bei Meerschweinchen erhalten Sie bei der Meerschweinchenberatung.